Journalistenkongress "Extremismus, Nationalismus und Europa"

Vom 22. bis 24. September 2006 fand der 2. Internationale Journalistenkongress „Extremismus, Nationalismus und Europa“ in Bautzen statt. Veranstalter des Journalistenkongresses waren neben der Brücke/Most-Stiftung die Friedrich-Ebert-Stiftung Dresden, die Bibliothek in Liberec, der Deutsche Journalisten-Verband Sachsen (DJV) und der Omse e.V. Dresden.


In Podiumsgesprächen und Diskussionen haben namhafte Experten ihre Sicht auf problematische extremistische und nationalistische Erscheinungen in Europa diskutiert. Dabei stand die mediale Behandlung dieser Fragen im Mittelpunkt. Diese Problematik diskutierten am 1. Tag auf dem Podium Heinz Fromm (Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz), Wolfgang Kentemich (Chefredakteur Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks), Prof. Dr. Lutz Hagen (TU Dresden), Niels Annen (MdB, Leiter Projektgruppe Rechtsextremismus) und Dr. Jan Křeček (Karls-Universität). Letzterer konstatierte für die Bundesrepublik einen guten Umgang der Medien mit dem Problem Rechtsextremismus. Für die Tschechische Republik sei dies jedoch nicht der Fall. Vielmehr fehlten den Journalisten die nötige Erfahrung und Empathiefähigkeit bei der Berichterstattung über die Gefährlichkeit rechtsextremistischer Bestrebungen.

Am 2. Tag widmeten sich die Vorträge und Workshops verschiedenen Aspekten des Rechtsextremismus in Tschechien und Deutschland. Prof. Dr. Roland Eckert von der Universität Trier ging in seinen Ausführungen auf verschiedene Erklärungsansätze extremistischer und nationalistischer Einstellungen ein. Darauf aufbauend schilderte Andreas Speit aktuelle Veränderungen im deutschen Rechtsextremismus. Hierbei sprach er von einer „Stabilisierung der Szene“ aufgrund eines steigenden Frauenanteils und einer „24stündigen rechten Erlebniswelt“. Einen Überblick über die tschechische Szene gab der Leiter der Sicherheitsabteilung im Innenministerium der Tschechischen Republik, Mgr. Michal Mazel. Hierbei wurde deutlich, dass in Tschechien weniger die Gefahr vom parteipolitischen Rechtsextremismus, sondern vielmehr von losen, subkulturellen Gruppierungen, wie den Nationalen Widerstand („Narodní Odpor“), ausgeht. Darüber hinaus existiere eine latente Fremdenfeindlichkeit in der tschechischen Gesellschaft.
In den anschließenden Workshops wurde stärker auf Teilaspekte eingegangen. Der erste Workshop thematisierte die Rolle der Medien bei der Berichterstattung über Rechtsextremismus. Der zweite Workshop beschäftigte sich mit rechtsextremer Musik in Tschechien und Deutschland. Hier wurde erneut deutlich, dass es bereits punktuell enge Verbindungen zwischen tschechischen und deutschen Rechtsextremen gäbe. So befänden sich in einschlägigen Szeneläden in Sachsen CD´s tschechischer Rechtsrockbands, tschechische Rechtsextreme nähmen zudem regelmäßig an Konzerten und Veranstaltungen teil; andererseits werden zahlreiche Konzerte auch im grenznahen Raum auf tschechischer Seite durchgeführt, wie Ondřej Cakl von der Organisation „Tolerance“ berichtete.

Die Abschlussdiskussion am Sonntag versuchte eine Antwort auf die Frage zu finden, wie verschiedene Akteure (Medien, Polizei, Initiativen) sich mit dem Rechtsextremismus vor Ort auseinandersetzen sollten. Anschließend folgte die Verleihung der Journalistenpreise durch den Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen, Georg Milbradt, und die Vorsitzende des sächsischen Deutschen Journalisten-Verbandes, Sabine Bachert, in den Kategorien Print (2x), TV (2x) und Audio (1x).
Der Preis für den Audiobeitrag ging an Tobias Barth und Bastian Wierzioch, die die Frage aufwarfen, ob die Sächsische Schweiz eine No-Go-Area ist. Thomas Schade erhielt für seinen Artikel „Buswartehäuschen statt Jugendclub“, erschienen in der Sächsischen Zeitung, den Preis in der Rubrik Print. Ebenso honorierte die Jury den Artikel „Die Waffen einer Frau“ von Steffen Kraft, in dem der Autor eine Frau in Berlin porträtiert, die unermüdlich Naziparolen und rassistische Aufkleber von Häuserwänden entfernt. Die beiden TV-Beiträge rücken zwei Dörfer in den Mittelpunkt, in denen rechtsextremes Gedankengut scheinbar in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Eva Altmann („Pömmelte“) und Danko Handrick („Pretzin“) wurden ebenfalls mit dem Journalistenpreis ausgezeichnet.
Umrahmt wurde diese Festveranstaltung von 3 Musikstipendiatinnen der Brücke/Most-Stiftung.

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