Demokratie live
Die Gesellschaften in Sachsen und in Nordböhmen sind von Verschiedenheit geprägt. Es lebt nicht nur eine Reihe von Ausländern unter uns, die zum Arbeiten, Studieren oder als Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Auch die hier schon länger ansässige Bevölkerung zeichnet sich durch Vielfalt aus. Die Menschen sind dick oder dünn, groß oder klein, blond oder dunkelhaarig; sie haben unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen, verschiedene Geschichten, verschiedenes Wissen, unterschiedliche Vorlieben und Wünsche. Diese Vielfalt macht unsere Gesellschaften interessant und lebendig. Diese Vielseitigkeit verursacht aber auch Ängste, aus denen ausländerfeindliche Tendenzen entstehen können, die in Sachsen, wie auch in Nordböhmen zu finden sind. Demokratische Werte wie Toleranz und Pluralität sind noch nicht überall verankert.
Aus diesem Grunde waren vom 2. bis 5. Februar 2006 16 Jugendliche aus den Grenzregionen in Deutschland und Tschechien in die Brücke-Villa eingeladen, um sich auf einem Seminar mit interkulturellem und demokratischen Lernen zu befassen.
Ziel des Seminars war es, Jugendlichen einen Raum zu bieten, in dem sie durch den Umgang mit ihren ausländischen Altersgenossen demokratische Werte überprüfen und in interaktiven Übungen interkulturelle Unterschiede erforschen.
Am ersten Tag ging es um das Thema Kultur und um die kulturelle Herkunft jedes Einzelnen. Jeder hatte die Gelegenheit, sich über seine eigenen kulturellen Wurzeln Gedanken zu machen und sie den anderen vorzustellen. Mithilfe von Statuentheater wurde visualisiert, wie viele unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven es auf so ganz alltägliche Dinge wie „Freundschaft“ und „Schule“ geben kann. Dabei wurde deutlich: jeder versteht etwas anderes darunter, „normal“ ist sehr relativ. Anschließend wurde in einem Spiel das Zusammentreffen verschiedener Kulturen ausprobiert: was passiert, wenn man plötzlich wo hinkommt, wo völlig andere Regeln gelten?
Am zweiten Tag waren die Teilnehmer eingeladen, sich damit zu befassen, was sie unter dem Thema Demokratie verstehen. In Übungen wurde ausprobiert, wie Entscheidungsprozesse in Gruppen ablaufen. Gemeinsam wurde der Prozess im Anschluss analysiert und die Rolle jedes einzelnen darin betrachtet und bewusst gemacht. Hier kam es zu lebhaften Diskussionen, viele Meinungen, Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse standen sich gegenüber – aber gerade hier war viel Reibung und dadurch viel Lernen möglich.
Der Sonntag verging mit weiteren Auswertungen der Übung und des gesamten Seminars.
Nicht zu vergessen: zwischendurch wurden viele lustige Spiele gemacht. Ein internationaler Abend mit Spezialitäten aus beiden Ländern rundete das Seminar ab!
Das Seminar wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Brücke/Most-Stiftung finanziert und in Kooperation mit den Betzavta-TrainerInnen Kerstin Knye und Guido Monreal durchgeführt.
Kooperationspartner FES
